Osterfeier ohne Eier

Eier gehören für viele Menschen zum Alltag – doch kaum jemand weiss, welches Tierleid hinter ihrer Produktion steckt. Auch in der Schweiz, wo strengere Tierschutzgesetze gelten, leiden Hühner in der Eierindustrie enorm.

In den vergangenen 20 Jahren ist die Geflügelhaltung in der Schweiz um über 70 % gestiegen – ein Trend, der weiterhin anhält. Besonders die Pouletmast hat stark zugenommen, aber auch die Zahl der Legehennen wächst weiter. Inzwischen gibt es in der Schweiz rund 1.5 Mal so viele Hühner wie Einwohner:innen. Dennoch reicht das inländische Angebot nicht aus, um die Nachfrage zu decken: Etwa 40 % des Geflügelfleisches und der Eier müssen weiterhin importiert werden.

Die beste Lösung, um dieses unnötige Tierleid zu verhindern ist, den Eierkonsum zu reduzieren oder ganz darauf zu verzichten. Mittlerweile gibt es zahlreiche pflanzliche Alternativen, die genauso gut schmecken und ohne Tierleid auskommen. Jede Entscheidung zählt – für ein tierfreundlicheres Morgen!

Das Ei – kein anderes Produkt symbolisiert Ostern so wirkungsvoll wie das gefärbte Ei.

Die Eierproduzentinnen, also die Legehennen, vollbringen tagtäglich Höchstleistungen, denn Eier sind auch ausserhalb von Ostern nicht mehr aus unserem Speiseplan wegzudenken. Im Jahr 2023 produzierten über 3,5 Millionen Legehennen in der Schweiz mehr als 1,1 Milliarden Eier. Um den hohen Eierkonsum pro Kopf zu decken, wurden zusätzlich 608 Millionen Eier importiert. Durchschnittlich konsumierte jede Person in der Schweiz 189 Eier jährlich. Dieser Konsum bedeutet für die Hennen eine gewaltige Leistung welche mit grossem Leid verbunden ist: Während eine Legehenne im Jahr 1955 durchschnittlich 118 Eier pro Jahr legte, sind wir heute bei über 300 Eiern jährlich.

Schon kurz nach dem Schlüpfen entscheidet das Geschlecht über ihr Schicksal: Während weibliche Küken in die Eierproduktion kommen, werden männliche Küken oft getötet, da sie wirtschaftlich «wertlos» sind. Selbst in Freiland- oder Biohaltung haben Hühner kaum Platz und sehen oft nie echtes Sonnenlicht. Die ständige Ei-Produktion belastet ihren Körper extrem: Ein Wildhuhn legt ca. 20 Eier pro Jahr – eine moderne Legehenne über 300! Diese unnatürliche Belastung führt zu Knochenschwäche, Organschäden und frühem Tod. Sobald die Legeleistung nachlässt, werden Hennen aussortiert und meist geschlachtet – oft schon nach 18 Monaten, obwohl Hühner eigentlich viele Jahre leben könnten.

Wieso sollte ich auf Eier verzichten?

Traditionell wird Ostern mit dem Verzehr von Eiern und dem sogenannten "Eiertütschen" gefeiert. In dieser Zeit werden rund 20% mehr Eier gekauft. Damit dieser höhere Eierbedarf gedeckt werden kann, werden zusätzlich eine halbe Million Legehennen gezüchtet. Ist Ostern anschliessend vorbei, geht die Nachfrage nach Eiern wieder deutlich zurück. Die halbe Million Legehennen sind nun aus wirtschaftlicher Sicht "überflüssig" und werden Jahr für Jahr vergast. Dieser Umgang mit Tieren als Wegwerfware erachten wir als unethisch und verwerflich.

Mit Ihrem Kaufentscheid haben Sie es in der Hand, etwas zu verändern. Es gibt heute genügen Alternativen, um eier komplett oder zumindest grösstenteils vom Speiseplan zu streichen. In vielen Speisen sind verarbeitete Eier drin, die sich ohne Weiteres ersetzen lassen. Wenn es dann trotzdem unbedingt Eier sein müssen, achten Sie bitte auf die Haltungsform. Die strengsten Richtlinien befolgen KAG-Freiland und Demeter, gefolgt von Bio-Haltung und danach Freilandhaltung. Von billigen Importeiern sollten Sie grundsätzlich die Finger lassen.

Wie werden Hühner in der Schweiz gehalten?

Regelmässig hört man, dass die Schweiz eines der strengsten Tierschutzgesetze der Welt hat. Dass es gemäss unserem Tierschutzgesetz legal ist, ein Huhn sein Leben lang auf den Platzverhältnissen einer A4-Seite zu halten, ohne dass dieses jemals Sonnenlicht sieht oder Gras spürt, zeigt, wie tief die Messlatte liegt. Unser Tierschutzgesetz garantiert folglich keine artgerechte Haltung, sondern definiert die Grenze zur Tierquälerei.

Verschiedene Labels schaffen einen Anreiz für Eierproduzent:innen, ihre Hühner besser zu halten - da dies aber nach wie vor im Rahmen der industriellen Eierproduktion erfolgt, unterscheidet sich diese Form von einer artgerechten Haltung.

Welche Haltungsformen in der Schweizer Eierindustrie vorkommen, veranschaulicht die nachfolgende Tabelle:

Die Bodenhaltung ist die Haltungsform mit den tiefsten Standarts, die in der Schweiz erlaubt ist. Die früher eingesetzte und gängige Käfighaltung ist seit 1992 in der Schweiz verboten. Weltweit ist sie nach Schätzungen jedoch noch immer die am häufigst eingesetzte Haltungsform. Gemäss GalloSuisse leben weltweit rund 90 Prozent aller Legehennen in Käfighaltung. So können importierte Produkten, die in unseren Supermärkten gekauft werden können, Eier aus Käfighaltung enthalten. Um ein Kauf solcher Produkte zu verhindern, empfiehlt sich die Wahl der eierfreien Alternative. Mittlerweile gibt es ein breites Sortiment an pflanzlichen Varianten, die dem konventionellen Produkt oftmals geschmacklich in nichts nachstehen. 

 

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